Projekt Beschreibung

District 9

District 9, working for Image Engine in Vancouver

Ein interview mit Robert Kuczera ueber das Projet District 9 und die Arbeit bei Image Engine in Vancouver

Robert Kuczera war als Senior Animator für einige Animationen der Aliens in „District 9“ verantwortlich. Hier berichtet er wie es dazu kam das er an „District 9“ gearbeitet hat und wie sich das Arbeiten an dem Film gestaltete. Ausserdem ein paar Before/After Shots aus „District 9″….

District 9


Was war deine Aufgabe bei der Produktion von District 9, welche Position hattest Du im Team?

Ich habe mich um die Animation der Aliens (Shrimps) gekümmert. Als Senior-Animator war ich unter anderem für die Animation der Hauptfigur („Professor-Shrimp“) zuständig. Es gab Shots die komplett von Hand gekeyframed wurden, sowie Shots die auf Basis von Motioncapture-Daten erstellt wurden. Die Motioncapture-Daten waren besonders wichtig, weil das Acting der Motioncapture Schauspieler vom Regisseur bereits abgenommen war. Wie so oft beim arbeiten mit Motioncapture-Daten mussten die Motion Capture Daten überarbeitet werden und grössten teils komplett neu animiert werden.

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An welchen Feature Film Projekten hast Du vor „District 9“ gearbeitet?

Der wahrscheinlich bekannteste Film an dem ich bisher gearbeitet habe war „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“. Ausserdem habe ich an den in Deutschland produzierten Feature Filmen „Lissi und der wilde Kaiser“, „Hui Buh das Schlossgespenst“ und „Hexe Lilli“ gearbeitet. Den Animations-Interessierten dürfte „Drachenjäger“ ein Begriff sein, sowie „Donkey Xote“, oder Happily never After.

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Wie kam es dazu das Du an „District 9“ gearbeitet hast? Bei welcher Firma und Wo war das genau?

Ich war gerade auf Weltreise mit meiner Freundin und wir wollten Halt in Vancouver/Canada machen. Ich kenne einen deutschen Artist in Vancouver der zu der Zeit bei Image Engine in Vancouver gearbeitet hat. Ich fragte Ihn ob wir bei ihm ein paar Tage unter kommen könnten. Dabei erwähnte er das Image Engine derzeit für ein Film-Projekt Animatoren sucht. Die Arbeit daran würde etwa 2 ½ Monate dauern und das Projekt würde gleich nach der Beendigung meiner Weltreise beginnen. Ich schickte mein Animation-Reel nach Vancouver und siehe da, es hat gepasst ;) Nach einem Telefon Interview mit dem Animation Supervisor bei Image Engine zwecks kennenlernen war ich als Animator für District 9 gebucht.

Gerade zurück in Deutschland konnte ich schon wieder die Koffer packen und ab nach Vancouver.

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Der Film war kommerziell sehr erfolgreich. Die Effekte sehen sehr gut aus. Hattest Du schon während der Arbeite an „District 9“ das Gefühl „Das wird ein Knaller„?

Wie es bei solch einer Produktion meistens ist, habe ich nie den gesamten Film zu sehen bekommen. Ich bekam nur die Szenen an denen ich gearbeitet habe zusehen. Daher konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht einschätzen wie der Film in seiner Gesamtheit wirkt. Aber im Nachhinein muss ich sagen, die Effekte sind sehr gut geworden.

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Was sind die Besonderheiten beim Arbeiten mit Motion-Capture Daten?

Die ersten Arbeiten beim animieren auf Basis von Motion-Capture Daten ist die Animations-Daten so gut es geht von Stördaten (Jittern, Zuckeln) zu bereinigen und trotzdem möglichst viel von der Performance des Motion-Capture Performers beizubehalten.

Das Nachbearbeiten und Ausglätten der Animationskurven der Motion-Capture Daten, ohne viel von den Animationsfeinheiten zu verlieren, fand ausschliesslich im Graph Editor von Maya statt.

Eine grosse Herausforderung beim arbeiten mit Motion-Capture Daten ist, herauszufinden inwieweit man das Acting des Motion-Capture Performers verändern darf.

Der grosse Vorteil von Motion-Capture ist die Möglichkeit für den Director schon während des Filmdrehs die Interaktion von Schauspieler und CG-Character zu bestimmen, zu bewerten und vor allem „abzunehmen“. Dieses Arbeiten ist weit weniger abstrakt als ohne Feedback des CG-Characters zu arbeiten und erst auf eine Version des Animators zu warten. Soweit die Theorie. Leider ist es beim Acting des Motion-Capture Performers oft so, das die Bewegungen sehr menschlich sind. Im Fall von „District 9“ bedeutete dies, die menschlichen Bewegungen später mithilfe von Keyframe-Animation so zu verändern, das sie „Insekten-artige“ Züge aufweisen.

Hinsichtlich der Animation macht Motion-Capture am meisten Sinn wenn die Figuren menschenähnliche Charakterzüge aufweisen sollen. Es macht z.B. keinen Sinn Motion-Capture für Cartoon-artige Figuren zu verwenden, dafür gibt es genug schlechte Beispiele.

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Der Regisseur Neil Blomkamp war ja selber als Animator tätig, hat dessen Animations-Background deine und die der anderen Animatoren beeinflusst?

Das ist schwierig zu beantworten ich habe ja nie persönlich mit ihm gesprochen. Einerseits ist es für einen Regisseur, zumindest bei einem Projekt wie District 9, gut wenn er sich mit Computeranimation auskennt. Er kennt die Vorgehensweisen und Möglichkeiten die es gibt. Allerdings auch eventuelle Beschränkungen und Schwierigkeiten die es bei der Animation von 3D Charakteren gibt.

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Die Aliens im Film haben ja recht Insekten ähnliche Züge, was habt ihr hauptsächlich als Referenz benutzt um die Charakterzüge dieser Wesen zu Formen. Gab es eine Character-Bibel und woher nahmt ihr Inspiration für deren Bewegung und Verhalten?

Als Referenz für die Animation dienten grösstenteils die Motion Capture-Daten und die gefilmten Szenen mit den Motion Capture-Artist. Ausserdem gab es schon animierte und abgenommenen Szenen von anderen Artists.

Diese habe ich mir ganz genau angeschaut und nach möglichen Eigenarten der Aliens analysiert.

Also Bewegung des Körpers, des Kopfes, Augen, generelles Verhalten und all diese Eigenschaften zusammengeschrieben. Zusätzliche Infos habe ich auch vom Animation Supervisor bekommen.

Gibt es wesentliche Unterschiede zwischen einer größeren deutschen Produktion und einer Internationalen wie District 9?

Ja und nein…;) in der deutschen und der internationalen Produktion arbeiten jeweils nur Menschen, keiner der Firmen kann zaubern. Alle kochen nur mit Wasser, aber die Amerikaner haben die Möglichkeit auf eine viel größere Anzahl von Artists zurückzugriefen. Und viele haben schon Erfahrung mit großen Blockbustern gesammelt, ist in den USA/Canada, nichts besonderes.

In Deutschland wird es dagegen schwieriger für Artists diese Erfahrung zu machen. Da müssen sie schon nach London gehen um an internationalen Produktionen mitzuarbeiten. Oft sind amerikanische Produktionen grösser, also mehr Artists die dort arbeiten weil auch mehr Geld zur Verfügung steht um diese zu bezahlen, also größere Budgets.

Auch ist die Unterteilung der Zuständigkeiten stark geregelt, also man redet niemanden in sein Fachgebiet rein. Es ist auch sehr üblich, dass es Recruiter gibt, die sich ausschließlich um das Rekrutieren von Artists kümmern. In Deutschland gibt es dafür oft keine eigene Position.

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War IMAGE ENGINE nur für die Animation der Character Verantwortlich, oder wurde da auch nochwas anderes gemacht?

Image Engine war mit 311 Shots an District 9 beteiligt. Die Hauptaufgabe von Image Engine waren die Aliens. Soweit ich weiss wurden die Aliens dort gebaut, gerigged, texturiert und animiert. Also das volle Programm. Ausserdem wurden einige Effekte und das Mutterschiff, Helicopter und Troop Carriers bei Image Engine gemacht.

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Vielen Dank an Robert Kuczera für das Interview.

Bilder Copyright Tristar Pictures
Image Engine